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Allgemeine Ratschläge

Diabetischer Fuß: ernste Komplikationen bei Diabetes erkennen und schnell behandeln

Von Dr. Univ.-PD Amro Homssi, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · Aktualisiert am 04.10.2026

Blutzuckermessung: Blutstropfen an der Fingerkuppe und Messgerät mit Teststreifen, Alltag bei Diabetes

Kurzüberblick

  • Der diabetische Fuß (diabetisches Fußsyndrom) entsteht durch Nervenschäden und Durchblutungsstörungen infolge eines lange erhöhten Blutzuckers.
  • Weil Druck und Verletzungen nicht gespürt werden, entstehen unbemerkt Wunden, die schlecht heilen und sich leicht entzünden.
  • Frühzeichen sind trockene, rissige Haut, dicke Hornhaut mit Einblutungen, Taubheit oder Kribbeln und kühle Füße.
  • Tägliche Fußkontrolle, passende Schuhe und regelmäßige ärztliche Fußuntersuchungen sind der wichtigste Schutz.
  • Podologie kann ärztlich verordnet werden, Wunden gehören dagegen immer in ärztliche Behandlung.
  • Ein roter, heißer, geschwollener Fuß, Eiter, Fieber oder schwarze Haut sind Notfälle, ebenso ein möglicher Charcot-Fuß.

Inhalt

  1. Was ist ein diabetischer Fuß?
  2. Entstehung: Nervenschäden und Durchblutungsstörungen
  3. Frühstadium: So sieht ein diabetischer Fuß am Anfang aus
  4. Warnzeichen: Wann Sie zum Arzt sollten
  5. Tägliche Fußkontrolle: So gehen Sie vor
  6. Schuhe und Socken: Druck vermeiden
  7. Podologie auf Rezept
  8. Wunden: Behandlung nur ärztlich
  9. Notfall: Infektion, Gefäßverschluss und Charcot-Fuß
  10. Häufige Fragen

Was ist ein diabetischer Fuß?

Ein diabetischer Fuß, medizinisch diabetisches Fußsyndrom, ist eine Folgeerkrankung des Diabetes. Nervenschäden und Durchblutungsstörungen führen dazu, dass Druckstellen und kleine Verletzungen am Fuß nicht gespürt werden und schlecht heilen. Daraus können offene Wunden, Infektionen und Verformungen entstehen. Tägliche Fußkontrolle, passende Schuhe und eine frühe Behandlung beugen schweren Folgen wie Amputationen vor.

Entstehung: Nervenschäden und Durchblutungsstörungen

Ein über Jahre erhöhter Blutzucker schädigt Nerven und Blutgefäße, an den Füßen besonders, weil die Nervenbahnen dorthin lang sind.

Nervenschäden (diabetische Neuropathie)

  • Gefühl: Schmerz, Druck und Temperatur werden schwächer wahrgenommen. Ein Steinchen im Schuh, eine Blase oder eine zu heiße Wärmflasche fallen nicht auf.
  • Muskeln: Die kleinen Fußmuskeln werden schwächer. Es entstehen Krallen- oder Hammerzehen, und der Druck unter dem Vorfußballen steigt.
  • Haut: Die Füße schwitzen weniger, die Haut wird trocken und rissig. Risse sind Eintrittspforten für Keime.

Durchblutungsstörungen

Diabetes beschleunigt die Arterienverkalkung, oft in den Unterschenkeln (periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK). Das Gewebe bekommt weniger Sauerstoff, Wunden heilen langsam. Die typischen Wadenschmerzen beim Gehen können fehlen, wenn zugleich die Nerven geschädigt sind. Rauchen verschlechtert die Durchblutung zusätzlich.

Eine Wunde entsteht meist schleichend: Druck auf eine Stelle, die nicht mehr schmerzt, führt zu Hornhaut, darunter blutet es ein, schließlich bricht die Haut zu einem Geschwür (Ulkus) auf. Hohe Blutzuckerwerte schwächen zudem die Abwehr.

MerkmalFuß mit NervenschadenFuß mit Durchblutungsstörung
Hautwarm, rosig, trockenkühl, blass bis bläulich, dünn und glänzend
Hornhautdick an Druckstelleneher wenig
Fußpulsetastbarschwach oder fehlend
Typische WundstelleFußsohle, besonders unter dem VorfußballenZehenspitzen, Fußränder, Ferse
Schmerzoft keinerhäufig, auch nachts in Ruhe

Oft liegen beide Formen zugleich vor.

Frühstadium: So sieht ein diabetischer Fuß am Anfang aus

Im Anfangsstadium gibt es noch keine Wunde. Der Fuß ist aber gefährdet, und genau jetzt lohnt sich Vorbeugung. Achten Sie auf diese Zeichen:

  • trockene, schuppige Haut und Risse, besonders an der Ferse
  • dicke, gelbliche Hornhaut an Ballen, Ferse oder Zehen, mehr dazu im Beitrag Hornhaut am Fuß
  • rote, braune oder schwarze Punkte in der Hornhaut: Einblutungen durch zu hohen Druck, oft die Vorstufe einer Wunde
  • Taubheit, Kribbeln, Brennen oder Ameisenlaufen, oft nachts stärker
  • kalte, blasse Füße oder Wadenschmerzen beim Gehen
  • Krallenzehen, Druckstellen und Blasen durch Schuhe
  • verdickte, verfärbte oder eingewachsene Zehennägel und Fußpilz zwischen den Zehen

Welche Nagelveränderungen bei Diabetes typisch sind und wie Sie die Nägel sicher pflegen, lesen Sie im Beitrag Fußnägel bei Diabetes.

Stadien des diabetischen Fußes

Ärztinnen und Ärzte teilen den diabetischen Fuß häufig nach Wagner und Armstrong ein:

Wagner-StadiumBefund
0keine Wunde, aber gefährdeter Fuß, etwa mit Hornhaut, Fehlstellung oder Nervenschaden
1oberflächliche Wunde
2Wunde bis auf Sehne oder Gelenkkapsel
3Wunde bis auf Knochen oder Gelenk
4abgestorbenes Gewebe (Nekrose) an Teilen des Fußes
5Nekrose des ganzen Fußes

Die Buchstaben A bis D nach Armstrong geben an, ob zusätzlich eine Infektion, eine Durchblutungsstörung oder beides vorliegt.

Warnzeichen: Wann Sie zum Arzt sollten

Gehen Sie noch am selben Tag in Ihre Hausarzt- oder Diabetespraxis oder in eine Fußambulanz, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • eine Wunde, Blase oder einen Riss, auch wenn er nicht schmerzt
  • Rötung, Schwellung oder Überwärmung an Fuß oder Zehen
  • Nässen oder Blut in der Socke
  • einen Fuß, der sich in Form oder Größe verändert
  • unerklärlich steigende Blutzuckerwerte, die auf eine Entzündung hinweisen können

Bei Nervenschäden ist Schmerz kein verlässlicher Wegweiser, auch eine schwere Infektion kann fast schmerzlos verlaufen.

Tägliche Fußkontrolle: So gehen Sie vor

  1. Feste Zeit wählen: etwa abends nach dem Ausziehen der Schuhe, bei gutem Licht.
  2. Alle Stellen ansehen: Fußrücken, Sohle, Ferse, Zehen, Nägel und Zehenzwischenräume. Für die Sohle hilft ein Handspiegel.
  3. Tasten und vergleichen: Ist ein Fuß wärmer, geschwollen oder gerötet?
  4. Socken prüfen: Blut- oder Wundflecken können der erste Hinweis auf eine unbemerkte Verletzung sein.
  5. Waschen und pflegen: lauwarm waschen und die Temperatur mit einem Thermometer prüfen, Zehenzwischenräume gut abtrocknen, trockene Haut mit harnstoffhaltiger Creme (Urea) pflegen, aber nicht zwischen den Zehen.

Tabu sind heiße Fußbäder, Wärmflaschen, Hornhauthobel, Rasierklingen und Hühneraugenpflaster. Behandeln Sie Fußpilz früh, denn Risse zwischen den Zehen lassen Bakterien eindringen. Zu Nagelpilz gibt es einen eigenen Beitrag: Nagelpilz bei Diabetes.

Anleitung: tägliche Fußkontrolle bei Diabetes in fünf Schritten: feste Zeit wählen, alle Stellen ansehen, tasten und vergleichen, Socken prüfen, waschen und pflegen
Anleitung: die tägliche Fußkontrolle in fünf Schritten. Jede Wunde am Fuß gehört bei Diabetes in ärztliche Hände, auch eine kleine Blase.

Eingewachsene Zehennägel und Nagelpilz sollten bei Diabetes früh behandelt werden. In unserer Praxis in Berlin-Prenzlauer Berg behandeln wir eingewachsene Zehennägel und Nagelpilz. Einen Termin können Sie in der Praxis oder per Videosprechstunde buchen.

Ärztliche Fußuntersuchung

Zusätzlich sollte die Ärztin oder der Arzt Ihre Füße regelmäßig untersuchen, je nach Befund alle 1 bis 12 Monate. Geprüft werden das Gefühl mit einer Stimmgabel und einem feinen Kunststofffaden (Monofilament), die Fußpulse, die Haut und die Schuhe.

Schuhe und Socken: Druck vermeiden

  • Schuhe mit ausreichend Platz in Länge, Breite und Höhe, weichem Fußbett und ohne drückende Nähte
  • Schuhe nachmittags kaufen, wenn die Füße dicker sind, und neue Schuhe zunächst nur kurz tragen
  • vor dem Anziehen mit der Hand in den Schuh tasten, ob Steinchen oder Falten stören
  • keine spitzen Schuhe, hohen Absätze oder Sandalen mit Zehensteg
  • nahtfreie Socken ohne einschnürendes Bündchen, täglich wechseln
  • nie barfuß laufen, auch nicht zu Hause, am Strand oder im Schwimmbad

Bei Nervenschäden, Fehlstellungen oder nach einer abgeheilten Wunde reichen normale Schuhe oft nicht. Je nach Risiko kann die Ärztin oder der Arzt Einlagen mit diabetesgerechter Fußbettung, Diabetesschutzschuhe oder orthopädische Maßschuhe verordnen. Angepasst werden sie vom Orthopädieschuhmacher.

Podologie auf Rezept

Podologinnen und Podologen sind staatlich geprüfte Fachkräfte für medizinische Fußbehandlung. Bei diabetischem Fußsyndrom kann die Ärztin oder der Arzt eine podologische Therapie verordnen. Dazu gehören das Abtragen von Hornhaut, die fachgerechte Bearbeitung verdickter Nägel und die Beratung zur Fußpflege. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten, Sie zahlen 10 € je Verordnung plus 10 % der Behandlungskosten.

Bei offenen Wunden oder Entzündungen ist zuerst die Ärztin oder der Arzt gefragt. Kosmetische Fußpflege ist bei diabetischem Fuß nicht die richtige Adresse. Mehr im Beitrag medizinische Fußpflege und bei gesundheitsinformation.de zur Podologie.

Wunden: Behandlung nur ärztlich

Jede Wunde am Fuß gehört bei Diabetes in ärztliche Hände, auch eine kleine Blase. Behandeln Sie sie nicht selbst mit Salben oder Hausmitteln. Am besten versorgt sind Wunden in einer auf den diabetischen Fuß spezialisierten Praxis oder Fußambulanz. Die Behandlung umfasst:

  • Druckentlastung: Entlastungsschuhe, Orthesen, ein Gips oder Gehstützen halten Druck von der Wunde fern. Ohne Entlastung heilt sie nicht.
  • Wundreinigung: Abgestorbenes Gewebe und Hornhaut am Wundrand werden entfernt, danach folgt eine passende Wundauflage.
  • Infektionsbehandlung: Eine entzündete Wunde braucht Antibiotika, oft über mehrere Wochen.
  • Durchblutung: Verengte Arterien können mit einem Ballon geweitet oder mit einem Bypass überbrückt werden.
  • Blutzucker: Gute Werte unterstützen die Heilung.

Kleine Wunden heilen oft in Wochen, große in Monaten. Wird eine Amputation empfohlen, haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung. Mehr zur Behandlung bietet gesundheitsinformation.de.

Notfall: Infektion, Gefäßverschluss und Charcot-Fuß

Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, notfalls in der Notaufnahme oder über den Notruf 112, bei:

  • einem roten, heißen, geschwollenen Fuß mit Fieber oder Schüttelfrost
  • einem roten Streifen, der vom Fuß das Bein hinaufzieht
  • Eiter oder fauligem Geruch aus einer Wunde
  • schwarz verfärbter Haut an Zehen oder Ferse, ein Zeichen für absterbendes Gewebe
  • einem plötzlich kalten, blassen, schmerzenden Fuß als Hinweis auf einen Gefäßverschluss

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Charcot-Fuß: warm, geschwollen, oft ohne Wunde

Der Charcot-Fuß (diabetische Neuroosteoarthropathie) ist eine seltene, aber ernste Sonderform. Bei schweren Nervenschäden werden Knochen und Gelenke des Fußes instabil, kleine Brüche bleiben unbemerkt, und das Fußgewölbe kann einbrechen. Erste Zeichen sind ein geröteter, geschwollener und deutlich überwärmter Fuß, oft ohne Wunde und mit wenig Schmerzen. Er wird leicht mit Verstauchung, Gicht oder Wundrose verwechselt.

Früh erkannt, lassen sich schwere Verformungen oft vermeiden. Der Fuß wird dafür über mehrere Monate mit Gips oder Orthese vollständig entlastet, danach folgen Maßschuhe. Im Anfangsstadium zeigt das Röntgenbild oft noch nichts, eine MRT erkennt Veränderungen früher. Belasten Sie einen plötzlich warmen, geschwollenen Fuß nicht weiter und lassen Sie ihn am selben Tag untersuchen.

Weiterführend: gesund.bund.de: Diabetischer Fuß

Häufige Fragen

Wie sieht ein diabetischer Fuß im Anfangsstadium aus?

Meist unauffällig: trockene, rissige Haut, dicke Hornhaut an Ballen oder Ferse, oft mit dunklen Punkten darin, dazu Krallenzehen oder Druckstellen. Der Fuß kann warm und rosig oder kühl und blass sein. Viele Betroffene spüren Kribbeln oder Taubheit, eine Wunde gibt es noch nicht.

Wie sieht ein fortgeschrittener diabetischer Fuß aus?

Typisch ist ein rundes, oft wie ausgestanztes Geschwür mit Hornhautrand an der Fußsohle, bei Durchblutungsstörungen eher an Zehen oder Ferse. Später können sich der Fuß verformen und Haut schwarz absterben.

Kann ein diabetischer Fuß heilen?

Wunden können mit Druckentlastung, Wundversorgung und guter Blutzuckereinstellung abheilen. Die Nervenschäden bleiben jedoch meist bestehen und neue Wunden sind häufig. Deshalb sind Fußkontrolle, passende Schuhe und regelmäßige Untersuchungen dauerhaft wichtig.

Zahlt die Krankenkasse die Fußpflege bei Diabetes?

Bei diabetischem Fußsyndrom ja, wenn eine podologische Therapie ärztlich verordnet wird. Sie zahlen dann nur die gesetzliche Zuzahlung. Kosmetische Fußpflege zahlen Sie selbst.

Medizinisch geprüft von Dr. Univ.-PD Amro Homssi, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · Stand: Oktober 2026

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Dr. Homssi ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin. Sein Schwerpunkt ist die moderne Laserbehandlung eingewachsener Zehennägel und die Nagelpilz-Behandlung per Laser. In seiner Praxis in der Greifswalder Straße 137-138 in Berlin-Prenzlauer Berg bietet er eine schonende Alternative zur klassischen Emmert-Plastik. Mehr über Dr. Homssi

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