Pilzinfektion

Nagelpilz bei Diabetes: Risiken, Behandlung und Fußpflege

Von Dr. Univ.-PD Amro Homssi, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · Aktualisiert am 02.10.2026

Fachgerechte Nagelpflege am Zeh

Kurzüberblick

  • Menschen mit Diabetes bekommen häufiger Nagelpilz. Gründe sind eine schlechtere Durchblutung, Nervenschäden und eine geschwächte Abwehr.
  • Nagelpilz bei Diabetes ist mehr als ein Schönheitsproblem: Dicke Nägel drücken, kleine Wunden bleiben unbemerkt, und Bakterien können eindringen.
  • Schauen Sie sich Ihre Füße täglich an. Bei einem diabetischen Fußsyndrom kann eine podologische Therapie ärztlich verordnet werden.
  • Infrage kommen Nagellack, Tabletten oder eine Laserbehandlung. Tabletten können mit anderen Medikamenten wechselwirken und die Leber belasten.
  • Bei Rötung, Schwellung, Eiter, einer offenen Stelle oder Fieber gehen Sie bitte noch am selben Tag zum Arzt.

Inhalt

  1. Warum Nagelpilz bei Diabetes häufiger ist
  2. Welche Risiken bestehen
  3. Tägliche Fußkontrolle: So gehen Sie vor
  4. Professionelle Fußpflege durch Podologen
  5. Behandlung: Worauf Sie bei Diabetes achten sollten
  6. Wann Sie sofort zum Arzt sollten
  7. Häufige Fragen

Warum Nagelpilz bei Diabetes häufiger ist

Nagelpilz bei Diabetes ist ein häufiges Problem. Insgesamt sind etwa 3 bis 12 % der Menschen von Nagelpilz (Onychomykose) betroffen, mit dem Alter steigt das Risiko. Bei Diabetes tritt er noch öfter auf. Ausgelöst wird er meist durch Fadenpilze (Dermatophyten). Diabetes schafft dafür günstige Bedingungen:

  • Durchblutung: Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die Gefäße. Füße und Nägel werden schlechter versorgt, die Nägel wachsen langsamer, und Abwehrzellen gelangen schwerer an den Ort einer Infektion.
  • Nervenschäden (Neuropathie): Lässt das Gefühl in den Füßen nach, fallen Druckstellen, kleine Verletzungen und erste Nagelveränderungen später auf. Zudem schwitzt die Haut weniger, wird trocken und rissig.
  • Abwehr und Blutzucker: Hohe Blutzuckerwerte schwächen das Immunsystem. Pilze und Bakterien haben es dann leichter.

Oft beginnt alles mit Fußpilz zwischen den Zehen, der sich unbemerkt auf die Nägel ausbreitet. Wie Sie ihn erkennen, lesen Sie im Beitrag Fußpilz. Alles zu Ursachen und Behandlung finden Sie auf unserer Seite Nagelpilz.

Welche Risiken bestehen

  • Druck durch dicke Nägel: Verdickte Nägel drücken im Schuh auf das Nagelbett und die Nachbarzehen. Darunter können Druckgeschwüre entstehen.
  • Unbemerkte Verletzungen: Brüchige, scharfkantige Nägel verletzen die Haut. Bei Nervenschäden spüren Sie das oft nicht.
  • Bakterielle Infektionen: Über Risse an Haut und Nagel können Bakterien eindringen. Bei Diabetes breiten sich solche Infektionen schneller aus, zum Beispiel als Wundrose (Erysipel).
  • Diabetischer Fuß: Aus einer kleinen Wunde kann ein schlecht heilendes Geschwür werden. Schlimmstenfalls führt das zu einer Amputation. Mehr dazu im Beitrag diabetischer Fuß.

Nagelpilz heilt in der Regel nicht von allein. Mit Diabetes sollten Sie ihn deshalb früh behandeln lassen, statt abzuwarten. Gute Fußpflege senkt das Risiko für Komplikationen deutlich.

Tägliche Fußkontrolle: So gehen Sie vor

  1. Sehen Sie sich Ihre Füße einmal am Tag bei gutem Licht an, auch zwischen den Zehen und an den Sohlen. Ein Handspiegel oder Angehörige helfen dabei.
  2. Achten Sie auf Rötungen, Blasen, Risse, Druckstellen, Hornhaut und veränderte Nägel.
  3. Waschen Sie die Füße mit lauwarmem Wasser, höchstens 37 °C, und prüfen Sie die Temperatur mit einem Thermometer. Fußbäder sollten nur wenige Minuten dauern.
  4. Trocknen Sie die Zehenzwischenräume gründlich ab und cremen Sie trockene Haut ein, aber nicht zwischen den Zehen.
  5. Tasten Sie vor dem Anziehen mit der Hand in die Schuhe, um Steinchen oder drückende Nähte zu finden.
  6. Wechseln Sie täglich die Socken, am besten ohne einschnürende Bündchen.

Kürzen Sie die Nägel gerade und feilen Sie scharfe Kanten ab. Spitze Scheren und Hornhauthobel bergen ein Verletzungsrisiko. Bei Nervenschäden oder eingeschränkter Sicht überlassen Sie die Nagelpflege besser Fachleuten. Weitere Tipps finden Sie im Beitrag Diabetes und Nagelprobleme.

Professionelle Fußpflege durch Podologen

Podologinnen und Podologen sind medizinisch ausgebildete Fachkräfte für die Fußpflege. Sie kürzen und dünnen verdickte Nägel schonend ab, tragen Hornhaut ab und erkennen Druckstellen früh. Ein dünnerer Nagel drückt weniger und lässt sich bei Nagelpilz besser behandeln.

Liegt bei Ihnen ein diabetisches Fußsyndrom vor, etwa mit Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen an den Füßen, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine podologische Therapie verordnen, zum Beispiel als podologische Komplexbehandlung aus Hornhautabtragung und Nagelbearbeitung. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt dann die Kosten bis auf die übliche Zuzahlung. Fragen Sie in Ihrer Hausarzt- oder Diabetespraxis danach.

Behandlung: Worauf Sie bei Diabetes achten sollten

BehandlungVorteileBei Diabetes zu beachten
Nagellackwirkt örtlich, kaum Wechselwirkungeneher bei leichtem Befall, Anwendung über viele Monate, beim Feilen Haut nicht verletzen
Tabletten (Terbinafin, Itraconazol)wirken über das Blut, auch bei stärkerem Befallverschreibungspflichtig, Kontrollen der Leberwerte, mögliche Wechselwirkungen, nicht in der Schwangerschaft
Laserbehandlungohne Tabletten, keine Wechselwirkungen mit Medikamentenmeist 4 bis 6 Sitzungen, Eignung vorher ärztlich prüfen, in der Regel selbst zu zahlen

Nagellack: Wirkstoffe wie Amorolfin oder Ciclopirox werden direkt auf den Nagel aufgetragen. Das eignet sich, wenn nur ein Teil des Nagels befallen und die Nagelwurzel frei ist.

Tabletten: Viele Menschen mit Diabetes nehmen bereits mehrere Medikamente ein, etwa gegen Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette. Hier sind Wechselwirkungen möglich, besonders mit Itraconazol. Beide Wirkstoffe können zudem die Leber belasten. Bringen Sie deshalb Ihren aktuellen Medikamentenplan zum Termin mit.

Laser: Bei der Laserbehandlung wird der befallene Nagel gezielt erwärmt. Sie kommt ohne Tabletten aus und verursacht daher keine Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten. In unserer Praxis sind meist 4 bis 6 Sitzungen nötig. Da bei Nervenschäden Wärme schlechter gespürt wird, prüfen wir vorher sorgfältig, ob die Methode für Sie geeignet ist. Eine Sitzung kostet 80,44 € für einen Fuß und 122,40 € für beide Füße. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Laserbehandlung bei Nagelpilz in der Regel nicht. Mehr dazu unter Kosten der Nagelpilzbehandlung.

Blutzucker: Gut eingestellte Werte unterstützen jede Behandlung, weil Abwehr und Haut dann besser arbeiten. Rechnen Sie mit Geduld: Die Behandlung kann bis zu einem Jahr dauern. Bis ein Zehennagel vollständig nachgewachsen ist, vergehen etwa 12 bis 18 Monate. Eine unabhängige Übersicht bietet gesundheitsinformation.de.

Wann Sie sofort zum Arzt sollten

Mit Diabetes können sich Infektionen am Fuß rasch verschlimmern. Gehen Sie noch am selben Tag zu Ihrer Hausarztpraxis, Ihrer Diabetespraxis oder in eine Fußambulanz, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • Rötung, Schwellung oder Überwärmung an Zeh oder Fuß
  • Eiter, Nässen oder unangenehmen Geruch
  • eine offene Stelle, Blase oder Wunde
  • eine bläuliche oder schwarze Verfärbung einer Zehe
  • Fieber, Schüttelfrost oder plötzlich stark schwankende Blutzuckerwerte

Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall wählen Sie 112. Für die Abklärung eines Nagelpilzes und die Beratung zur Behandlung können Sie gern einen Termin in unserer Praxis vereinbaren. Die Beratung in der Praxis ist mit Ihrer Krankenversicherung kostenfrei, eine Videosprechstunde kostet 46,93 €.

Häufige Fragen

Kann Diabetes Nagelpilz verursachen?

Nagelpilz durch Diabetes entsteht nicht direkt, denn auslösen können ihn nur Pilze. Diabetes begünstigt die Infektion aber, weil Durchblutung, Nerven und Abwehr beeinträchtigt sind.

Darf ich mit Diabetes Tabletten gegen Nagelpilz nehmen?

Oft ja, aber nur nach ärztlicher Prüfung. Wichtig sind mögliche Wechselwirkungen mit Ihren anderen Medikamenten und regelmäßige Kontrollen der Leberwerte.

Ist eine Laserbehandlung bei Diabetes möglich?

Häufig ist sie eine Option, weil sie ohne Tabletten auskommt. Ob sie für Sie geeignet ist, klären wir vorher im Gespräch, vor allem bei Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen.

Zahlt die Krankenkasse die Fußpflege bei Diabetes?

Bei einem diabetischen Fußsyndrom kann eine podologische Therapie ärztlich verordnet werden. Die Kosten trägt dann die gesetzliche Krankenkasse bis auf die Zuzahlung. Kosmetische Fußpflege zahlen Sie selbst.

Darf ich verdickte Nägel bei Diabetes selbst kürzen?

Wenn Sie gut sehen, Ihre Füße gut erreichen und keine Nervenschäden haben, ist vorsichtiges Kürzen und Feilen möglich. Ansonsten ist eine podologische Behandlung die sicherere Wahl.

Medizinisch geprüft von Dr. Univ.-PD Amro Homssi, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie · Stand: Oktober 2026

Dr. Univ.-PD Amro Homssi

Dr. Univ.-PD Amro Homssi

Dr. Homssi ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin. Sein Schwerpunkt ist die moderne Laserbehandlung eingewachsener Zehennägel und die Nagelpilz-Behandlung per Laser. In seiner Praxis in der Greifswalder Straße 137-138 in Berlin-Prenzlauer Berg bietet er eine schonende Alternative zur klassischen Emmert-Plastik. Mehr über Dr. Homssi

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