zurück zum Ratgeber

Schluss mit Nagelpilz, alles was Sie wissen müssen

geschrieben von: Dr. Univ. PD Amro Homssi

Ein Nagelpilz in Frontalansicht auf dem großen Zeh.

Das Thema Nagelpilz ist auch heutzutage häufig noch ein Tabuthema. Viele Patienten halten Ihre Infektionen vorerst geheim, nicht selten auf Kosten der Lebensqualität. Dabei ist ein Nagelpilz eine weit verbreitete Krankheit. Man spricht im Wesentlichen davon, dass zirka 10% bis 30% davon betroffen sind. Und der Besuch beim Arzt oder in der Apotheke ist notwendig, denn ein Nagelpilz heilt nicht von alleine und ist auch ansteckend.

Kurzübersicht

  • Vom Nagelpilz sind häufig Fußnägel betroffen, besonders der großen Zeh.
  • Erreger dringen meistens über kleine Verletzungen oder bei geschwächtem Immunsystem ein.
  • Erste Symptome sind gelbliche, bräunliche oder weiße Verfärbungen. 
  • Häufige Ursachen sind der Aufenthalt warme, feuchte Umgebungen wie Schwimmbäder oder Sportumkleiden.
  • Behandlungsmöglichkeiten sind verschiedene Cremes, Lacke, Tabletten, Laser und Kombinationen.
  • Vorsorge durch Hygiene, Desinfektion und Meiden von Barfußlaufen in öffentlichen Räumen kann die Infektion verhindern.

Inhalt

Was ist ein Nagelpilz?

Ein Nagelpilz ist eine Pilzinfektion, die in den meisten Fällen Fußnägel befällt und eher seltener Fingernägel. Häufig betroffen ist der große Zeh. Fingernägel sind nicht so anfällig, da sie mehr an der frischen Luft sind und normalerweise schneller Nachwachsen. Unter Medizinern nennt man einen Nagelpilz Onychomykose, wobei Onycho die Bedeutung Nagel hat und Mykose eine Pilzerkrankung ist.

Allgemein gibt es verschiedene Erreger, die die Ursache für einen Nagelpilz sind. Erreger gelangen von der Haut leicht in den Nagel, wenn die Bedingungen für diese günstig sind. Durch Verletzungen des Nagels mit einer Schere beim Schneiden eröffnet man Pilzen häufig schon eine ideale Eintrittspforte. Ebenfalls kann es vorkommen, dass das Nagelwachstum durch bestimmte Krankheiten beeinträchtigt oder durch das Immunsystem geschwächt ist. In diesen Fällen vermehren sich Keime auch sehr schnell und können zu einem Nagelpilz führen. können sich die Keime ebenfalls vermehren.

Die verschiedenen Erscheinungen eines Nagelpilzes

Die ersten Zeichen des Nagelpilzes sind meistens an den seitlichen oder vorderen Rändern des Zehnagels zu sehen. Der Nagel verfärbt sich zunächst gelblich oder bräunlicher Farbe und wird mit der Zeit dann dicker und rauer.

Unbehandelt wächst diese farbige Fläche immer weiter in den Nagel hinein und beginnt sich wegen der Pilzinfektion zu verändern. Der Nagel wird poröser und verliert seine glatte und glänzende Oberfläche. Sobald der Pilz die Hornschicht des Nagels durchdringt, fängt der Nagel sich langsam aufzulösen. Dieser Krankheitsverlauf ist meistens auch mit Schmerzen verbunden,

Ein Nagelpilz kann jedoch auch eine andere Erscheinungsform haben, so können sich auch weiße Flecken an der Oberfläche des Nagels bilden. Die Flecken können punktförmig bleiben, sich aber auch großflächig ausbreiten. Dies wird als „weißer oberflächlicher Nagelpilz“ bezeichnet.

Einen Nagelpilz erkennt man meist an brüchigen und weißlich-gelblich bis bräunlich verfärbten Nägeln. Die Nägel können sich auch verdicken und ihre Form verändern. Der betroffene Teil des Nagels kann sich vom Nagelbett ablösen. Bei Menschen mit Vorerkrankungen kann es auch vorkommen, dass dieser Nagelpilz von der Wurzel aus aufgeht. Grundsätzlich sollten weißlich, gelblich oder bräunlich verfärbte Stellen am Nagel in Beobachtung bleiben und wenn diese bestehen oder sich weiter ausbreiten, eine Behandlungsmethode gesucht werden.

Wie kommt es zum Nagelpilz und was sind Risikofaktoren?

Verantwortlich für den Nagelpilz sind meistens Sprosspilze, die zur Gruppe Dermatophyten gehören. Das sind die Sporen, die auch für einen Fußpilz verantwortlich sind. Schimmel- oder Hefepilze hingegen sind selten Auslöser einer Onychomykose. Mit den Sporen der Pilze kommen Betroffene an meistens an warmen und feuchten Orten in Kontakt, denn hier fühlen sich Pilze besonders wohl. Darunter fallen Duschen, Sportumkleiden, Schwimmbäder und Saunen. Wenn es das Immunsystem nicht rechtzeitig schafft, die Sporen zu beseitigen, dringen sie in den Fußnagel oder in die daneben liegende Haut ein, wobei schon winzige Verletzungen eine Infektion erleichtern.

Besonders anfällige Gruppen für einen Nagelpilz

Gefährdet sind Sie, wenn Sie unter folgenden Problemen leiden:

  • Ein geschwächtes Immunsystem – häufig durch Medikamente oder Vorerkrankungen verursacht.
  • Diabetes – führt zu schlechter Durchblutung.
  • Bestimmte Hautkrankheiten – wie Schuppenflechte.
  • Fußschweiß – häufig auch unterstützt durch schlecht belüftetes Schuhwerk oder viel Sport.
  • Schlechte Durchblutung der Füße – oft wegen engen Schuhen, Krampfadern, einem höheren Alter oder Diabetes.
  • Verletzungen der Nägel und der Haut – beim Schneiden oder durch künstliche Nägel.
  • Stetige feuchte Hände – Reinigungskräfte, Küchenkräfte.

Zwar kann man mit einigen Vorsichtsmaßnahmen das Ansteckungsrisiko für einen Nagelpilz deutlich reduzieren, sicher ausschließen lässt sich diese Erkrankung allerdings nie. Ein Nagelpilz bedeutet für Betroffene zahlreiche Einschränkungen, die zu langfristiger Belastungsprobe werden können.

Öffentliche Duschen sind häufiger Verursacher für einen Nagelpilz.
Abb. Gerade an öffentlichen Orten ist das Risiko sich mit einer Pilzinfektion zu infizieren sehr hoch.

Wie können Sie einen Nagelpilz vorbeugen?

Um einen Nagelpilz zu vermeiden, kann man einige Maßnahmen ergreifen, um sich vor einem Fuß- oder Nagelpilz zu schützen.

Man sollte täglich seine Strümpfe wechseln und getragene Schuhe nach dem Tragen gründlich auslüften, um sie trocken zu halten und Bakterienbildung zu verringern. Zudem sollten Ihre Handtücher, wie auch Badematten mindestens einmal pro Woche bei 60 Grad gewaschen werden, sodass sie relativ keimfrei sind. Beim Kauf von Schuhen sollte man beachten, dass diese nicht zu eng sitzen und aus atmungsaktiven Materialien sind, um Schweißbildung und Druckempfinden zu vermindern. Beim Besuch von öffentlichen Spa-Anlagen, Schwimmbädern und Sportstudios ist es außerdem essentiell Badeschlappen zu tragen, da diese den Kontakt der Füße mit dreckigen Oberflächen vermeiden. Trotzdem müssen nach dem Besuch die Füße mit einem separaten Handtuch ordentlich abgetrocknet werden, sodass es nicht zu dauerhaft feuchten Füßen nach dem Besuch kommt.

Zuletzt sollten Schuhe und Badeschlappen regelmäßig desinfiziert werden, sowie Nagelschere und Feile. Und ist es ratsam, Nagelpflege-Produkte innerhalb der Familie nicht zu teilen, sodass jeder einfach seine eigenen Produkte besitzt.

Wie lässt sich eine Diagnose für einen Nagelpilz aufstellen?

Diagnose des Nagelpilz durch einen Test

Neueste Diagnostik bei der Nagelpilzbehandlung Antigen-Schnelltest:

Neuerdings lässt sich ein Nagelpilz mittels eines Antigen-Schnelltest feststellen. Das ist eine schnelle und bequeme Option zur ersten Einschätzung von Ihrem Nagelpilz. Die Schnelltests basieren auf Antikörpern oder spezifischen Indikatoren im Nagel, um das Vorhandensein von Pilzen anzuzeigen. Bei positiven Ergebnissen sollte eine weitere Untersuchung zur Bestätigung der Diagnose erfolgen.

Die Polymerasekettenreaktion (PCR):

Die PCR ist eine hochpräzise Methode zur Diagnose von einem Nagelpilz. Sie ermöglicht den Nachweis von Pilz-DNA in der Nagelprobe und liefert genaue Ergebnisse.

Das bewährte Kulturverfahren bei Nagelpilz

Die Pilzkultur ist ein bewährtes Diagnoseverfahren für Nagelpilz. Dabei wird die Nagelprobe auf speziellen Nährböden platziert, um das Wachstum von Pilzen zu fördern und eine genaue Identifizierung der Pilzart zu ermöglichen. Das Ergebnis lässt sich nach vier Wochen begutachten.

Weitere Diagnoseverfahren beim Nagelpilz Befall

Manche Nagelpilze, vor allem fortgeschrittene, lassen sich durch eine Blickdiagnose identifizieren. Des Weiteren gibt es die Untersuchung einer Nagelprobe unter einer speziellen UV-A Lampe (Wood Licht), welche Hinweise auf einen bestimmten Erregertyp geben kann. Zudem kann man eine Nagelprobe direkt unter dem Mikroskop (Nativpräparat mit KOH) begutachten. Auch feingewebliche Untersuchungen mit speziellen Farbstoffen (PAS) gehören zu den standardisierten Verfahren für den Nagelpilz-Test.

Wie lassen sich die Verfahren beurteilen?

Im Vergleich zu PCR- oder Kulturverfahren sind Nagelpilz Schnelltests weniger empfindlich. Aus diesem Grund sollten Nagelpilz Schnelltests als ergänzende Diagnosewerkzeuge betrachtet werden und nicht als alleinige Methode zur Bestätigung einer Nagelpilzinfektion genutzt werden.

Das Kulturverfahren ist sehr zuverlässig, hat allerdings auch einige Nachteile. Es dauert in der Regel mehrere Wochen, bis das Wachstum der Pilze beobachtet werden kann, was eine längere Wartezeit für die Diagnose bedeutet. Zudem erfordert das Kulturverfahren eine spezielle Ausstattung und geschultes Personal, um die Proben richtig zu verarbeiten und zu interpretieren. Dennoch wird das Kulturverfahren häufig eingesetzt, insbesondere wenn andere Tests keine eindeutige Diagnose liefern oder wenn eine genaue Identifizierung der Pilzart erforderlich ist. Es ermöglicht eine direkte Beobachtung des Wachstums des Pilzes und eine genaue Bestimmung der Pilzart, was für die Auswahl der geeigneten Behandlung von Vorteil ist.

Obwohl es länger dauern kann und spezielle Anforderungen hat, ist es oft ein entscheidendes Verfahren, um eine genaue Diagnose zu stellen und die geeignete Behandlung einzuleiten. Bei Verdacht auf Nagelpilz kann ein Dermatologe oder ein Mikrobiologe das Kulturverfahren durchführen, um eine fundierte Diagnose zu erhalten.

Was behandeln wir in unserer Praxis?

In unserer Praxis am Hohenzollernring in Berlin behandeln wir Hautpilz, Nagelpilz, Fußpilz und andere Pilzinfektionen mit den neuesten Methoden. Wir haben ein neues hochmodernes Pilz-PCR-Labor, welches eine schnelle und präzise Diagnose ermöglicht, um sofort eine gezielte Therapie einleiten zu können. Unser neues Testsystem bietet die Möglichkeit 56 verschiedene Pilzspezien zu diagnostizieren. Diese Diagnostik ist ein neu gesetzter Standard in der Haut- und Nagelpilz-Diagnostik.

Therapiemöglichkeiten

Steht die Diagnose Nagelpilz fest, müssen sich Betroffene auf eine langwierige Therapie gefasst machen. Denn grundsätzlich dauert die Behandlung so lange, bis die Nägel vollständig gesund nachgewachsen sind. Wie rasch dies geschieht, ist individuell sehr unterschiedlich.

Zum einen wachsen Fingernägel deutlich schneller als Fußnägel. Zum anderen spielt es eine Rolle, welcher Nagel befallen ist, wie sehr sich der Pilz darin ausgebreitet hat und in welchem Gesundheitszustand sich der Patient oder die Patientin befindet. Bei älteren Menschen und solchen, die Diabetes oder Durchblutungsstörungen haben, wachsen die Nägel langsamer. So kann sich die Behandlung teilweise von etwa drei Monaten bis zu über zwei Jahre hinziehen.

Letztendlich gibt es verschiedene Methoden, mit denen wir in unserer Praxis Nagelpilz behandeln können: Medikamente, Lacke und Tinkturen sowie Laser. Bei der Entscheidung zu einer Lokaltherapie oder Systemtherapie ist eine gründliche Diagnostik entscheidend.

Warum einen Arzt aussuchen?

Denn Pilzsporen verschwinden nicht von alleine wieder, sondern erfordern ärztliche Behandlung. Sie nisten sich im Nagelbett ein und verbreiten sich in manchen Fällen sogar auf die anderen Nägel. Daher ist es wichtig, Nagelpilz so frühzeitig wie möglich behandeln zu lassen.Buchen Sie jetzt Ihren Termin hier.

Wie kann ein Nagelpilz behandelt werden?

Bei leichtem Befall können Tinkturen und Nagellacke mit Antimykotika helfen. Diese töten die Pilze ab, doch die Behandlung ist langwierig und aufwändig: Die Tinkturen und Lacke müssen täglich über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten angewendet werden.

Ist der Pilz bereits tiefer in den Nagel eingedrungen, kann eine Antimykotika-Therapie in Form von Tabletten helfen. Diese tötet den Pilz von innen ab – in der Regel in einem Zeitraum von drei Monaten. Hier kann es jedoch zu starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen und in wenigen Fällen auch Leberschäden kommen und kann dementsprechend nicht bei jedem Patienten durchgeführt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die ergänzende Behandlung des Nagelpilzes mit Hilfe von Laserlicht. Über den Laser gelangt energiereiches Licht in den Nagel, das von dem Wasser an der betroffenen Körperstelle absorbiert wird. Dort wandelt es sich blitzschnell in Wärme um und vernichtet so die vorhandenen Pilzsporen. Zudem gelangt das Laserlicht auch in die Hohlräume unter dem Nagel und kann dort ohne eine Vorbehandlung mit Salben den Erreger abtöten.

Welche äußerlichen Behandlungen gibt es?

Nagelpilz Behandlung mit Lack

Viele Menschen versuchen, Nagelpilz zunächst mit einem farblosen Nagellack zu behandeln. Vor dem Auftragen des Lacks wird der betroffene Nagel geschnitten und möglichst stark abgefeilt. Nagellacke enthalten einen der wachstumshemmenden und pilztötenden Wirkstoffe Amorolfin oder Ciclopirox. Die Produkte unterscheiden sich darin, wie häufig sie angewendet werden:

Amorolfin wird ein- bis zweimal wöchentlich aufgetragen. Ciclopirox wird meist im ersten Monat jeden zweiten Tag aufgetragen, im zweiten Monat mindestens zweimal pro Woche und ab dem dritten Monat einmal pro Woche. Neuere Ciclopirox-Lacke sind wasserlöslich. Sie werden täglich aufgetragen und die Lackreste vor jeder neuen Anwendung mit Wasser abgewaschen.

Bei beiden Behandlungen wird der alte Lackfilm vor dem erneuten Auftragen von Lack mit einem Alkoholtupfer entfernt. Über den Lackfilm kann man normalen Nagellack auftragen.

Nagelpilzbehandlung mit Sets aus Creme und Spatel

Zur äußerlichen Behandlung von Nagelpilz gibt es auch Behandlungs-Sets, die zwei Cremes und einen Spatel enthalten: Eine Creme enthält Harnstoff (Urea) und löst den Nagel auf, sodass er entfernt werden kann. Die andere Creme enthält Bifonazol, das gegen den Pilze wirkt.

Bei dieser Behandlung wird der betroffene Zeh oder Finger zunächst zehn Minuten in warmem Wasser eingeweicht und dann abgetrocknet. Anschließend wird der Nagel mit der harnstoffhaltigen Creme eingecremt und durch ein Pflaster geschützt. Nach 24-Stunden wird das Pflaster entfernt und der Zeh oder Finger wieder in warmes Wasser gehalten. Danach wird die aufgeweichte Schicht des Nagels mit einem Spatel abgeschabt und der Nagel wird erneut eingecremt und mit einem Pflaster verbunden. Diese Behandlung wird über 14 Tage fortgesetzt. Wenn der mit Nagelpilz infizierte Teil des Nagels komplett weggeschabt ist, wird die darunterliegende Haut für weitere vier Wochen mit einer Bifonazol-Creme behandelt.

Wie wirksam sind äußerliche Behandlungen?

Äußerliche Nagelpilz-Behandlungen mit Lack oder Cremes sind bislang nur in wenigen Studien untersucht worden. Da diese Studien Schwächen haben, müssen die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden. Amorolfin ist bislang nicht gut untersucht. Ciclopirox-Lack und Behandlungs-Sets mit Harnstoff- und Bifonazol-Creme wurden in einzelnen Studien geprüft.

Studien zu Lack

Studien zur Wirkung von Nagellack mit Ciclopirox zeigen nach einem Jahr, dass auch ohne Ciclopirox-Lack bei etwa 10 von 100 Personen kein Nagelpilz mehr nachweisbar war. Mit Ciclopirox-Lack hingegen war bei ungefähr 30 von 100 Personen kein Nagelpilz mehr nachweisbar. Zu beachten ist, dass das kosmetische Ergebnis nicht immer zufriedenstellend war, auch wenn kein Pilz mehr nachweisbar war.

Studien zu Creme

Außerdem wurde die Behandlung mit Harnstoff- und Bifonazol-Creme in einer Studie untersucht. Sie wurde mit einer Behandlung verglichen, bei der nur Harnstoff-Creme aufgetragen und der Nagel abgetragen wurde, aber anschließend keine Bifonazol-Creme benutzt wurde. Drei Monate nach Abschluss der Behandlung zeigte sich, dass mit Harnstoff alleine bei etwa 41 von 100 Teilnehmenden kein Pilz mehr sichtbar oder nachweisbar war. Und bei der Behandlung mit Harnstoff und Bifonazol bei ungefähr 51 von 100 Teilnehmenden kein Pilz mehr sichtbar oder nachweisbar war.

Die Kombination aus beiden Mitteln

Die Kombination von Harnstoff und Bifonazol konnte also etwa 10 Teilnehmende mehr vom Nagelpilz befreien. Sechs Monate nach Abschluss der Behandlung zeigte sich zwischen den beiden Behandlungsgruppen allerdings kein nennenswerter Unterschied mehr. Zudem kehrte der Nagelpilz bei vielen zurück. Daher kann wahrscheinlich keine der beiden Behandlungen die Chancen auf eine langfristige Heilung erhöhen.

Zu beachten ist, dass Menschen, bei denen mehr als die Hälfte der Nagelfläche betroffen waren oder bei denen die Erkrankung von der Nagelwurzel ausging, nicht an den Studien teilgenommen haben.

Welche Mittel gibt es zum Einnehmen gegen einen Nagelpilz?

Zur innerlichen Behandlung von Nagelpilz werden Tabletten eingesetzt, die ebenfalls das Wachstum der Pilze hemmen oder sie abtöten können. Diese Medikamente sind alle verschreibungspflichtig. Insgesamt kommen zwei Medikamente zur Behandlung von Nagelpilz infrage: Terbinafin und Itraconazol.

Wenn die Ursache des Nagelpilz der Hautpilz (Dermatophyten) ist, wird Terbinafin bevorzugt eingesetzt. Itraconazol hingegen, wenn eine Infektion mit einem Hefe- oder Schimmelpilz den Nagelpilz verursacht hat. Sowohl Terbinafin- als auch Itraconazol-Tabletten können durchgehend oder mit Behandlungspausen eingenommen werden. Allerdings werden sie unterschiedlich angewendet:

Terbinafin Tabletten

Bei der durchgehenden Behandlung wird das Medikament in der Regel drei Monate lang einmal pro Tag eingenommen (Dosierung: 250 mg). Bei einer Behandlung mit Einnahmepause wird das Medikament wie folgt eingenommen: Erste Woche lang täglich 500 mg Terbinafin (zwei Tabletten), dann drei Wochen Pause. Oder, vier Wochen lang täglich 250 mg Terbinafin (eine Tablette), dann vier Wochen Pause. Beide Einnahmeformen nehmen drei bis vier Monate für die Behandlung in Anspruch.

Itraconazol Tabletten

Bei der durchgehenden Behandlung wird Itraconazol höchstens drei Monate lang einmal täglich eingenommen. Die Dosierung liegt bei 200 mg pro Tag (zwei Tabletten mit je 100 mg Itraconazol). Bei der Einnahme mit Behandlungspausen nimmt man eine Woche lang täglich 400 mg Itraconazol (morgens und abends je zwei Tabletten mit 100 mg Itraconazol). Danach folgen drei Wochen Behandlungspause. Beide Einnahmeformen dauern höchstens drei Monate.

Fluconazol Tabletten

Fluconazol wird nur eingesetzt, wenn andere Behandlungen keinen Erfolg gehabt haben oder aus anderen Gründen nicht infrage kommen. Es wird einmal pro Woche eingenommen (Dosierung: 150 mg). Der Nachteil an Fluconazol ist, dass es etwa sechs bis zwölf Monate angewendet werden muss, um ausreichend zu wirken.

Wie wirksam sind Tabletten gegen Nagelpilz?

Tabletten gegen Nagelpilz sind bis jetzt in mehreren Studien untersucht worden. Alle Studienteilnehmer/ -innen hatten eine durch einen Hautpilze ausgelöste Infektion an den Zehennägeln. Das abschließende Ergebnis der Studie hat gezeigt, dass Tabletten deutlich wirksamer sind als Lacke oder Cremes.

Ein Jahr nach einer dreimonatigen Behandlung mit Terbinafin zeigte sich, dass ohne Behandlung ungefähr 17 von 100 Personen keinen nachweisbaren Nagelpilz mehr hatten.Mit der Behandlung war bei circa 76 von 100 Personen kein Nagelpilz mehr nachweisbar. Itraconazol stellte sich ebenfalls als wirksam heraus: Ohne Behandlung war nach einem Jahr bei 7 von 100 Personen kein Nagelpilz mehr nachweisbar. Mit Behandlung war nach einem Jahr bei ungefähr 43 von 100 Personen kein Nagelpilz mehr nachweisbar.

Einige Studien verglichen Itraconazol und Terbinafin direkt miteinander. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Terbinafin vielleicht etwas wirksamer ist als Itraconazol. Zudem lässt sich sagen, dass die Einnahme mit Behandlungspause vermutlich ähnlich wirksam wie eine durchgehende Behandlung ist. Dies ist aber nur in einzelnen Studien untersucht worden.

Welche Neben- und Wechselwirkungen haben die Tabletten?

Die Behandlung durch Tabletten kann allerdings einige Nebenwirkungen mit sich bringen.

Nagelpilz_NebenwirkungeDie Tabelle zeigt die Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Nagelpilz.
Abb. Die Tabletten gegen Nagelpilz haben verschiedene Nebenwirkungen.

Im Gesamten liefern die Studien nur wenige Daten dazu, wie häufig die einzelnen Nebenwirkungen auftreten. Die meisten Menschen vertragen die Medikamente aber offenbar gut, denn nur wenige Patienten brachen die Behandlung wegen den Nebenwirkungen ab.

Verschiedene Therapiewege

Hausmittel gegen den Nagelpilz

Manchmal werden zur Behandlung von Nagelpilz Hausmittel empfohlen. Oft wird das Auftragen von Teebaumöl oder Essig empfohlen. Ob diese und andere Hausmittel gegen Nagelpilz helfen, ist bislang aber noch nicht in nennenswerten Studien erprobt worden.

Unterschiedliche Behandlungen je Nagelpilz Fall

Eine äußerliche Behandlung von Nagelpilz mit Lack oder Creme ziehen die meisten Fachleute in Erwägung, bei schwachen Verläufen eines Nagelpilzes. Das ist der Fall, wenn nur ein kleiner Teil des Nagels von der Pilzinfektion betroffen ist, die Nagelwurzel nicht infiziert ist und nur einzelne Nägel betroffen sind.

Zudem wird bei Kindern eher eine äußerliche Behandlung empfohlen. Einerseits sind die meisten Medikamente für Kinder nicht zugelassen. Andererseits haben Kinder dünnere Nägel, die schneller wachsen. Daher geht man stark davon aus, dass eine Behandlung mit Lack oder Creme bei ihnen bessere Erfolgschancen hat als bei Erwachsenen. Außerdem wird ein weißer oberflächlicher Nagelpilz oft mit Lack oder Creme behandelt.

Bei großflächigen Nagelpilzinfektionen ist es meist nötig, Medikamente einzunehmen. Ebenfalls, wenn die Infektion von der Nagelwurzel ausgeht. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur eine Creme oder Lack zum gewünschten Ergebnis führt, wäre sehr gering.

Alternative Behandlungen bei einem Nagelpilz

Bei einem ausgeprägten Nagelbefall können Tabletten auch mit Lack oder Creme kombiniert werden. In Fällen, wo der Nagel sehr dick ist, kann er zusätzlich zur Tablettenbehandlung mithilfe von Urea-Creme langsam abgetragen oder auch in Teilen abgeschliffen werden. Die Kombinationsbehandlung ist ebenfalls gängig bei großen Pilz Ansammlungen unter dem Nagel. Unterstützend zur Behandlung bei schwerem Nagelpilz kann auch eine professionelle medizinische Fußpflege helfen. Wenn der Nagel bei der Fußpflege abgeschliffen wird, ist es wichtig, auf eine gute Hygiene und Desinfektion zu achten, da das abgetragene Material ansteckende Pilzsporen enthalten kann.

Die Laserbehandlung gegen den Nagelpilz

Eine sehr aktuelle und moderne Behandlungsmethode gegen den Nagelpilz ist die Behandlung mit einem Laser (980 nm), die eine 68-80 %ige Heilungsrate mit sich bringt. Laserbehandlungen sollten, abhängig vom Schweregrad des Nagelpilzes, mindestens dreimal im Abstand von vier bis sieben Wochen stattfinden und müssen eventuell wiederholt werden.

Bei der Behandlung von Nagelpilz mit dem Laser bleibt der Nagel zunächst unverändert, wächst jedoch in den kommenden Monaten gesund nach. Wie schnell ein Nagel nach einem Befall mit Nagelpilz wächst, hängt vom Allgemeinzustand des Patienten und der Schwere der Erkrankung ab. Bei der Nagelpilzbehandlung mit Laser wird der Pilz durch die Hitze zerstört. Die Laserstrahlen werden vom Gewebe absorbiert und inaktivieren alle Pilzfäden, dies ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Die Laserstrahlen werden nur als lokale Erwärmung wahrgenommen, sodass eine örtliche Betäubung in der Regel nicht notwendig ist.

Die Illustration zeigt, was man vor der Behandlung machen bzw. vermeiden sollte.
Abb. Die wichtigsten Maßnahmen bevor es zur Laserbehandlung geht.

Ablauf einer Laserbehandlung gegen Nagelpilz

Vor der Behandlung werden Ihre Nägel desinfiziert und Sie erhalten eine Laserschutzbrille, die während der gesamten Lasersitzung zu tragen ist.

Die Behandlung erfolgt in zwei Durchgängen:

1. Der Laser wird in gleichmäßigen Abständen über die Nagelplatte geführt.
2. Zwischen den Durchgängen erfolgt eine kurze Pause, währenddessen werden die behandelten Nägel gekühlt.

Je nach Zustand und Befall der Nägel sind mehrere Sitzungen im Abstand von vier Wochen notwendig.

Wichtige Maßnahmen nach der Laserbehandlung:

Damit im Anschluss an die Laserbehandlung eine Reinfektion ausgeschlossen werden kann, sollten höchste Hygienemaßnahmen vorgenommen werden. Das Schuhwerk sollte ebenso wie die Wäsche mit einem Hygienespüler oder mindestens bei 60 °C gewaschen werden. Empfehlenswert ist ebenfalls eine Lokalbehandlung der Nägel und Zehenzwischenräume mit antimykotischen Cremes und Lacken, damit sich der Nagelpilz nicht erneut ausbreiten kann. Zum Behandlungstermin sollten Sie außerdem frisch gewaschene Socken mitbringen, die nach der Behandlung getragen werden können, um eine sofortige Neuinfektion mit dem Nagelpilz zu verhindern.

Nachbehandlung der Laserbehandlung

  • Frische Socken tragen nach der Behandlung.
  • Schuhe mit einem Anti-Pilz-Spray besprühen.
  • Während der Therapie und einen Monat nach der Nagelpilz-Laserbehandlung sollte ein Anti-Pilz-Nagellack und/oder eine Antipilz-Creme genutzt werden.
  • Nägel müssen durchgehend sauber und gepflegt sein.
  • Alle verwendeten Fußpflege-Utensilien (Nagelschere, Feile etc.) müssen desinfiziert werden nach dem Gebrauch.
  • Füße müssen nach dem Duschen/Baden gründlich getrocknet werden.
  • Socken und Handtücher, die im Fußbereich verwendet werden, sollten mit Wäschedesinfektion oder bei mindestens 60°C gewaschen werden.
  • Im Bad sollte eine waschbare Fußmatte genutzt werden.

Alles was Sie zur Lasermethode wissen müssen

Die Illustration zeigt, Vorteile der Lasermethode und für wen sie geeignet ist.
Abb. Vorteile der Lasertherapie bei Nagelpilz und für wen die Behandlung leider nicht geeignet ist.

In diesen Fällen sollten Sie vor Beginn der Therapie Rücksprache mit uns halten, damit wir eine ideale Behandlungsmethode für Sie finden können. Buchen Sie hier Ihren Beratungstermin.

Wann muss ein Arzt aufgesucht werden bei Verdacht auf Nagelpilz?

Grundsätzlich ist es bei einem Nagelpilz empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen, um eine genaue Diagnose aufstellen zu lassen. Spätestens sollte dieser aber alarmiert werden, wenn die Selbstbehandlung mit freiverkäuflichen Mitteln aus der Apotheke nicht anschlägt.

Bei Kindern und Personen, die zur Risikogruppe gehören, wie Diabetiker oder Personen mit Immunschwäche, sollte direkt ein Arzt aufgesucht werden, um die passende Behandlungsmethode zu finden, die schnell eine Lösung bietet. Zuletzt sollte in Extremfällen, wie großflächigen Infektionen, Verdacht auf Beteiligung der Nagelwurzel, Schmerzen sowie Infektionen von mehreren Nägel ein Rat des Arztes eingeholt werden.

Buchen Sie jetzt einen Termin, um eine genaue Diagnose zu bekommen und auch Ihre Mitmenschen zu schützen.

Fazit

Ein Nagelpilz ist in den meisten Fällen harmlos. Doch viele Menschen finden verfärbte oder verdickte Nägel unansehnlich und möchten den Pilz möglichst rasch wieder loswerden. Zudem besteht das Risiko, dass sich eine Nagelpilz-Infektion ausweitet und so zur Ansteckung von anderen führen kann.

Unabhängig von der gewählten Behandlungsmethode dauert es allerdings eine ganze Weile, bis der Nagel wieder normal aussieht. Geduld ist vor allem nötig, wenn es sich um einen Zehennagel handelt. Bis der Nagel des großen Zehs gesund nachgewachsen ist, kann bis zu einem ganzen Jahr vergehen. Zudem ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass bei manchen Menschen der Nagelpilz sehr hartnäckig sein kann und trotz erfolgreicher Behandlung wieder auftreten kann.

Im Allgemeinen gilt, dass die Chancen, einen Nagelpilz mit einer äußerlichen Behandlung dauerhaft zu heilen, sehr gering sind. Die Behandlung mit Tabletten ist deutlich wirksamer und weniger langwierig. Allerdings kommt diese Behandlungsmethode wegen sehr seltener, aber ernsthafter Risiken nicht für alle Patienten infrage. Hier ist die Laserbehandlung eine sichere und nebenwirkungsfreie Alternative, allerdings keine Krankenkassenleistung. Wie man die Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für sich selbst einschätzt, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Wir stehen Ihnen zur Beratung und Behandlung zur Seite.

Dr. Univ. PD Amro Homssi

Dr. Amro Homssi ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit besonderem Schwerpunkt auf der modernen Laserbehandlung von eingewachsenen Zehennägeln und Nagelpilz. Nach seiner umfassenden medizinischen Ausbildung und Spezialisierung auf orthopädische Chirurgie und Lasertherapie bietet er in seiner Praxis in Berlin eine effektive, minimal-invasive Alternative zur klassischen Emmert-Plastik an.